Governance

Blinde Flecken: Organisation zu komplex? Umstrukturierung reicht nicht mehr.

ARTIKEL VERFASST VON
Cristina Riesen
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5
Minuten

Die Ausgabe 2026 des Berichts State of Organizations von McKinsey & Company, basierend auf mehr als 10.000 weltweit befragten Führungskräften, erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem künstliche Intelligenz sich durchsetzt, Wertschöpfungsketten fragmentieren und die Erwartungen der Mitarbeitenden sich wandeln.

Während 2023 kurzfristige Resilienz im Vordergrund stand, ist die Herausforderung 2026 klar: nachhaltige Produktivität, langfristige Wertschöpfung und tiefgreifende Transformation der Betriebsmodelle.

Das Fazit ist ernüchternd: Obwohl sich eine Mehrheit der Führungskräfte optimistisch zeigt, fühlt sich nur ein Drittel tatsächlich vorbereitet.

Drei tektonische Kräfte gestalten die Organisation im Jahr 2026 neu

1. KI: massenhafte Einführung, marginale Wirkung

88 % der Organisationen experimentieren mit künstlicher Intelligenz, aber 81 % erzielen keinerlei signifikante Auswirkungen auf ihr Nettoergebnis. Das Problem ist nicht technologischer, sondern organisationaler Natur. KI wird anwendungsfallbezogen und in Silos eingesetzt, ohne durchgängige Prozessüberarbeitung. Weniger als 20 % der Unternehmen, die KI getestet haben, verzeichnen einen spürbaren finanziellen Effekt. Die meisten Führungskräfte räumen ein, dass ihre Organisation nicht bereit für eine groß angelegte Einführung im Tagesgeschäft ist.

KI schafft nur dann Wert, wenn sie in ein neu gestaltetes Betriebsmodell eingebettet ist.

2. Geopolitische Fragmentierung: Komplexität wird strukturell

Die Neuordnung wirtschaftlicher Blöcke, Handelskonflikte und die partielle Rückverlagerung von Aktivitäten zwingen Unternehmen, zwischen globaler Skalierung und regionalem Verankern abzuwägen. Verspätete Veräußerungen und zu langsame Portfolioneuzuweisungen belasten die Wertentwicklung negativ. Organisationale Komplexität — hierarchische Ebenen, Redundanzen, unklare Governance — wirkt wie eine unsichtbare Steuer auf die Performance.

Resilienz ist kein Diskursthema mehr: Sie hängt von der Fähigkeit ab, die Ressourcenallokation schnell neu zu konfigurieren.

3. Wandel der Arbeit: Transformation wird dauerhaft

Demografische Entwicklungen, neue Erwartungen der Mitarbeitenden, Hybridisierung der Arbeitsweisen: Die Transformation der Belegschaft ist kein einmaliges Programm mehr, sondern eine kontinuierliche Kompetenz. Organisationen müssen Rollen neu definieren, Führung anpassen und Performance mit Engagement verbinden. Fachliche Kompetenzen bleiben unverzichtbar, doch ihr Wert hängt zunehmend von ihrer Kombination mit kognitiven und sozialen Fähigkeiten ab.

Eine Krise der operativen Lesbarkeit

Hinter diesen drei Kräften tritt ein tiefgreifendes Problem zutage. Unternehmen leiden nicht an einem Strategiedefizit, sondern an einem Defizit im Betriebssystem. Angesichts von Komplexität war die dominante Antwort in der Vergangenheit additiv:

— mehr Werkzeuge

— mehr Meetings

— mehr Koordinationsebenen

— mehr Kontrollprozesse

Trotz aufeinanderfolgender Restrukturierungen halten zwei Drittel der Führungskräfte ihre Organisation für zu komplex und zu langsam.

Die neue Grenze der organisationalen Performance

Die nächste Welle der Performance wird aus organisationaler Fluidität und der Anpassungsfähigkeit von Rollen und Prozessen entstehen.

Ein organisationales Betriebssystem einzuführen zielt genau auf dieses Ziel ab: die Funktionsregeln explizit zu machen, die aus Absicht Wirkung machen. Es vereint drei kritische Dimensionen, die sichtbare und anpassungsfähige Arbeitsabläufe erzeugen:

Struktur — klare und übernommene Verantwortlichkeiten, die sich je nach Kontext und organisationalen Bedürfnissen verändern.

Kollaboration — klare, abgestimmte und dynamische Schnittstellen zwischen Personen und Teams.

Kommunikation — Informationsflüsse im Dienst der Performance und des gemeinsamen Sinns.

Die von McKinsey identifizierten Veränderungen konvergieren in derselben Anforderung: die Organisation als vereinfachte, lebendige und leistungsstarke Architektur zu konzipieren.

  • KI schafft nur dann Wert, wenn Rollen und Prozesse neu definiert werden.
  • Shared Services werden strategisch, wenn sie in globale Wertschöpfungsketten eingebettet sind.
  • Geopolitische Resilienz hängt von organisationaler Agilität ab.
  • Diversität und Inklusion schreiten dauerhaft voran, wenn sie in den Mechanismen der Governance und Talentallokation verankert sind.
  • Führung entwickelt sich weiter: Es geht nicht mehr nur darum, Entscheidungen zu treffen, sondern einen Rahmen zu gestalten, in dem andere leisten können.

Führungskräfte werden zu echten Architektinnen und Architekten lebendiger und hybrider Strukturen.

Die Frage, die sich Führungsausschüssen nun stellt, ist einfach:

Ist Ihre Organisation eine Aneinanderreihung von Initiativen — oder ein lebendiges, ausgerichtetes System, das sich weiterentwickeln, lernen und dauerhaft Wert schaffen kann?

Der Unterschied wird die Performance bestimmen.

Vier Imperative für Führungsausschüsse

  1. Das Betriebsmodell rund um KI neu denken — und nicht umgekehrt.
  2. Kollaborationsflüsse vereinfachen — statt strukturelle Anpassungen zu multiplizieren.
  3. Ressourcen auf eine begrenzte Anzahl von Prioritäten konzentrieren — und explizite Abwägungen akzeptieren.
  4. Organisationale Weiterentwicklung institutionalisieren als dauerhafte Kompetenz.

In einem Umfeld, in dem Komplexität schneller wächst als die Anpassungsfähigkeit, wird organisationale Klarheit zum klaren Wettbewerbsvorteil.

Wenn Sie die Fähigkeit Ihrer Organisation, ihre Vision und Strategie in nachhaltige Performance umzuwandeln, objektiv bewerten möchten, bietet unsere Klarheitsdiagnose einen rigorosen und pragmatischen Einstieg, gefolgt von einem maßgeschneiderten Aktionsplan.

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